Malte Ubl ist CTO von Vercel, dem Unternehmen hinter Next.js und dem Vercel AI SDK. Vor Vercel arbeitete er mehrere Jahre bei Google als Tech Lead am AMP-Projekt und an verschiedenen Such-Infrastrukturprojekten. Außerdem organisierte er ein Jahrzehnt lang die JSConfEU in Berlin – eine der einflussreichsten JavaScript-Konferenzen Europas.
Perspektive auf KI-Agenten
Malte argumentiert, dass Agenten eine neue Art von Software sind – kein schnellerer Weg, die alte zu schreiben. Der wirtschaftliche Kerngedanke: Große Teile der potenziellen Automatisierung wurden nie realisiert, weil traditionelle Software für die tacit-knowledge-lastigen Sonderfälle zu teuer war – Agenten machen diese Arbeit rentabel, weshalb es in Zukunft deutlich mehr Software geben wird, nicht weniger.
Er sieht vier Agenten-Archetypen, die heute bereits erfolgreich im Einsatz sind:
- Agent-as-a-Service – Kundensupport und ähnliche Rollen, die von einem 24/7-Betrieb profitieren
- Compressed Research – Agenten übernehmen die Recherchephase eines Geschäftsprozesses, Menschen treffen weiterhin die finale Entscheidung
- Vorhandene Informationen zugänglich machen – Wissen aus Slack, Aufzeichnungen und Dokumenten in die Systeme einspeisen, die es benötigen
- Lästige Arbeit eliminieren – Vercels eigener Support-Agent hat eine Ablenkungsrate von 90 %, und die Jobzufriedenheit im Team hat sich verbessert
Er ist außerdem öffentlich davon überzeugt, dass Modell-Kommodifizierung gut für Anwendungsentwickler ist – und dass Europa durch Projekte wie Vercels AI SDK (Lars Gammel, Berlin), Poe (Österreich) und OpenCode still und leise eine Führungsrolle im KI-Engineering übernimmt.
Wichtige Beiträge
- Vercel AI SDK – das quelloffene TypeScript-Toolkit für den Bau von KI-gestützten Anwendungen, das inzwischen über 10 Mio. USD pro Woche in der Nutzung erreicht
- Chat SDK – verbindet Agenten mit Chat-Apps wie Slack, Telegram und WhatsApp
- Just Bash – ein in TypeScript geschriebener Bash-Interpreter, der Agenten Sandbox-ähnliche Umgebungen mit Nanosekunden-Startzeiten ermöglicht
- Kritik an der Agent-Harness-Architektur – er argumentiert, dass die meisten aktuellen Agent-Harnesses die Harness-Laufzeit fälschlicherweise mit der Code-Ausführungsumgebung koppeln